Josephin Böttger & Peter Afken

Hibernation - künstlicher Schlaf

Installation/Versuchsanordnung

2.-11. Juni 2006

Eröffnung: Donnerstag, 1. Juni 2006, ab 20 Uhr

Öffnungszeiten:

2.-4. Juni 2006, 16­21 Uhr

5.-7. Juni 2006, 18-23 Uhr

8.-10. Juni 2006, 16-21 Uhr

Finissage: Sonntag, 11. Juni 2006, ab 16 Uhr; um 21 Uhr spielt die musikalische Versuchsanordnung Heffels#5

Achtung: WORK IN PROGRESS!

Dieses Labor wird während der Ausstellungsdauer seine Forschungsarbeit fortführen. Besucher können nach Wunsch an der Erhebung auch teilnehmen.

 

Zur Ausstellung:

Angefangen vor einigen Jahren mit ihren labyrinthischen, eigens entwickelten ‘Dualzeichnungen’ und ‘Pluralbildern’ über diverse gemeinsame Filmprojekte und Videoinstallationen, setzen Josephin Böttger und Peter Afken ihre künstlerische Kollaboration fort bei ihrer neuesten Ausstellung ãHibernation - künstlicher Schlaf“ im Westwerk.

Der Ton dieser Arbeit schwingt irgendwo zwischen Alchemie, Science Fiction, Surrealismus und Sandkasten. Bosch trifft Stanislaw Lem trifft Raymond Roussel trifft Jack Arnold in einer seltsam künstlerischen Ausführung von ‘Stiller Post. Lo-tech virtuelle Welten werden konstruiert, gemalt oder projiziert, ein tatsächliches Work in Progress. Eine Ausstellung als Labor, in dem jeder Besucher eventuell für die Forschungsarbeit zur schlafinduzierten Traumwelt herangezogen werden könnte. Zu sehen sind Objekte, Zeichnungen, Malerei, Projektionen und archivierte Filme.

Ausgangspunkt des Projekts von Böttger/Afken waren wissenschaftliche Untersuchungen zur Übertragung des Winterschlafs des Grizzlybärs auf den Menschen bei Langzeitflügen (z.B. im Weltraum). Wie können so Erkenntnisse gewonnen werden über den menschlichen Schlaf und seinen Sinn? Nur weil diese Ausstellung viel Humor in sich birgt, ist sie deswegen nicht ohne Ernst. Zum Abschluss der Ausstellung wird ein live-musikalisches Work in Progress von Heffels#5 aufgeführt.

Matthew Partridge

(Heffels#5 sind: Jürgen Brockmann (voc, sax, keyb.), Stefan Persson (git.), Carsten Dane (keyb.), Christoph Meier (bass), Matthew Partridge (dr./perc.)

 

Eine kurze Mitteilung der Künstler:

Projekt Hibernation künstlicher Schlaf

ãWir sind aus solchem Stoff
wie der aus Träumen
und unser kleines Leben
umgibt ein Schlaf.“

(William Shakespeare, Der Sturm)

Hintergrund:

Das Thema Hibernation (künstlicher ‘Winterschlaf’ bzw. Heilschlaf) und die Schlafforschung allgemein beschäftigen uns, seitdem wir gemeinsam an dem Drehbuch ãDer lange Schlaf“ arbeiten. Die Frage nach der Funktion des Schlafs lässt sich eigentlich sehr schnell beantworten: Wir wissen es bis heute nicht genau.

In allen Schlafphasen wird geträumt. Schlaf und Traum sind untrennbar miteinander verknüpft. Die Träume in der REM-Phase (Rapid Eye Movement: Schlaf mit raschen Augenbewegungen unter geschlossenen Lidern) zeichnen sich durch ihren szenischen Charakter aus, in denen visuell halluzinatorische Erlebnisse dominieren. Die Nicht-REM-Phasen sind dagegen eher nüchterne Gedankengänge und bleiben insgesamt eher bruchstückhaft.

Trotz der recht genauen Messdaten bleiben viele Aspekte des Schlafs bis heute ein Rätsel. Zum Beispiel weiß man nicht, warum der Mensch nach ca. 16 Stunden ermüdet und nach ca. 8 Stunden erwacht. Aristoteles vermutete, dass ein unbekannter Stoff sich im Körper eines Menschen anreichert und bei einer kritischen Grenze unweigerlich zum Schlafen führt. Umgekehrt werde dieser Stoff während der Nacht abgebaut und ermögliche dadurch das morgendliche Erwachen. Diese Theorie wird heute durchaus noch in Betracht gezogen.

Die Ausstellung:

In der Mitte des Raumes steht ein kastenförmiger Behälter aus dem sich Kabel winden. Messdaten, Bewegungen, Traumsequenzen übertragen sich nach Außen, Licht, Töne und Rauschmittel werden ins Innere des Behälters geschickt. Das Forschungsobjekt wird dort in künstlichem Schlaf überwacht.

Neuronen feuern, im Kortex werden Bilder zu Geschichten zusammengesetzt. Das Labor als Installationsform ermöglicht uns einen freien Zugriff auf die verschiedenen Formen und Oberflächen unseres Forschungsthemas. Fertige Werke und Ergebnisse vorangegangener Experimente werden in neue Zusammenhänge gebracht, aktuelle Arbeiten kommen hinzu.

Zur Eröffnung bietet die Ausstellung ein vollständiges Gesamtbild der Installation (Malerei, Zeichnungen, Objekte und Projektionen gestalten den Raum), die sich aber fortan bis zum Ausstellungsende verändert.