Eva Keil: Von außen
 

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Ausstellungseröffnung: Freitag, 26. November 2004, 19 Uhr
Austellungsdauer: 27. November bis 5. Dezember 2004
Öffnungszeiten: Montag-Freitag 16-20.30 Uhr,
Samstag und Sonntag 13-18 Uhr

Eva Keil entwickelte noch während ihres Studiums an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe einen sehr eigenen Prozess der Produktion und Reflektion technischer Bilder. Ob sie ausschließlich mit der Videokamera arbeitet oder diese als Übertragungsmedium für die Fotografie einsetzt, stets gilt ihr Augenmerk der Bewegung von menschlichen Körpern im Raum, den Wahrnehmungs- und medialen Faktoren Licht und Zeit (bei der Bildproduktion wie -rezeption) sowie der Entgrenzung von Räumen im Bild. Gegenstand ihres Interesse ist das Menschenbild, der menschliche Körper, der sich exzentrisch in einem speziellen Umraum bewegt.

Alle Bildmotive sind inszenierte Motive. Eva Keil spricht Personen an, die sie aufgrund bestimmter Details, Gesten und Bewegungen für ihre Arbeit interessieren. Ebenso wählt sie sehr präzise die Handlungsorte aus, sei es ein bestimmtes Treppenhaus, ein bestimmter Kalkfelsen am Meer, ein bestimmtes Geröllfeld bei Nacht. Auch die Handlung selber wird von ihr vorgegeben: die Treppe mit verschlossenen Augen hinuntergehen, ein Stück Leinwand von sich halten, eine festgelegte Strecke auf die Kamera zugehen.

Wenn Eva Keil auf ein photographisches Bild hinarbeitet, funktionieren ihre Videoaufzeichnungen wie ein erstes Bildarchiv. Die Videosequenz wird auf dem TV-Monitor Bild um Bild genau angeschaut. 25 Frames, die sonst in der Sekunde laufen, werden zu Einzelbildern, Standbildern zerlegt, aus dem Zeitverlauf herausgelöst. Nicht der Film läuft dann vor den Augen ab, sondern die Augen tasten jedes Einzelbild ab. Dieses Verfahren ermöglicht eine detailreiche Bildanalyse und -auswahl. Das für eine Photographie ausgewählte Standbild wird dann im dunklen Raum vom Monitor abfotografiert und im Labor in entsprechender Größe abgezogen, bzw. gedruckt. Im fotografischen Bild zersetzt das Raster des Fernsehbilds in den RGB Farben sowohl Motiv wie Hintergrund der Aufnahme. Das, was zunächst die Spannung des Motivs ausmacht - die menschliche Bewegung im Raum - wird durch die Zeilentextur des Monitors wieder technisch - artifiziell nivelliert. Das so gewonnene Lichtbild reflektiert sowohl das Licht der realen Aufnahmesituation (Kunst- oder natürliches Licht) wie das des Monitors. Die Unantastbarkeit des ăMenschenbilds“ in der Fotografie wird durchkreuzt von der - normalerweise unbedachten - Materialität des Bildaufbaus im Fernseher. Beide Materialitäten - des Vorbilds 1 und 2 - sind jedoch aus ihrem zeitlichen Prozess herausgelöst.

In Eva Keils Videoarbeiten spielt per se zeitlicher Verlauf eine große Rolle, sei es die Zeit des Windes, der Kleidung und Haarpracht einer Figur modelliert, die im Bild so ihre Ausdehnung im Raum auslotet, sei es die Zeit, in der eine auf die Kamera zugehende Figur die Wahrnehmung und Interpretation des Betrachters herausfordert oder die Zeit, in der eine Person als Schattenfigur sich zur Musik in Bewegung hält.

Allen Arbeiten gemeinsam ist Eva Keils sehr genaue Vorbereitung der inszenierten Situationen sowie ihre sichere Entscheidung für den Moment/das Bild, das sie interessiert. Es sind Bilder, die bei aller Sensibilität und Schönheit am Ende doch immer über das Anschaubare hinauszielen und auf das treffen, was das Verlangen nach Bild ausmacht: eine fragile Balance zwischen Innen und Außen zu bannen, eine Attraktion für den Blick zu finden der vom Bild zurückkehrt zum Betrachter.

Angelika Stepken, Badischer Kunstverein Karlsruhe


Biografie:

1974 geboren in Landau, Pfalz

1995-2002 Studium Szenografie und Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe

2002 Residenz am Institut Cypres, Marseille
Stipendium der Französischen Botschaft Berlin und des Deutsch-Französischen Kulturrats Saarbrücken

Einzelausstellungen:

2002 Bei Licht, Kunstraum. Bruxelles, Brüssel

2002 Search Surface, JancoDaDaMuseum, Haifa

Gruppenausstellungen:

2002 Fünf Jahrzehnte Kunstankäufe des Regierungspräsidiums Karlsruhe, Schloß Schwetzingen, Mosbach (K)

2001 Vier Positionen aus Fotografie und Video, Forum Kunst Regierungspräsidium Karlsruhe

2000 Take me to another place, Ausstellungsraum Iris Kadel, Karlsruhe

1999 Agentur Weltstar und Freunde, Galerieprojekte Mathias Kampl, Berlin

1998 Plastik & Multimedia, Kunstbunker Tumulka, München